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Früherkennung und Frühintervention bei Risikopatienten zur Vermeidung von invasiver Langzeitbeatmung

(prolongiertes oder erfolgloses Weaning) - Prävention invasiver Ventilation (PRiVENT)

Projektziel

Allgemeine Ziele des Projektes:

  • Verringerung der Anzahl der Intensivpatienten, die als „Weaning-Versager“ eingestuft werden, ohne dass ein spezialisiertes Weaning-Zentrum an der Behandlung beteiligt war
  • Frühzeitige Identifikation von Patienten mit Bedarf an spezialisierter Weaning-Therapie auf nichtspezialisierten Intensivstationen, um den Weaning-Erfolg zu optimieren
  • Verbesserung der Qualität des Weanings auch in den nicht spezialisierten Zentren und rechtzeitige Verlegung von Hochrisikopatienten
  • Schärfung des öffentlichen Bewusstseins für die Möglichkeit der Entwöhnung durch die frühzeitige Einbindung eines Weaning-Zentrums

aQua-spezifische Ziele:

  • Das aQua-Institut ist in diesem Projekt sowohl als evaluierende Einrichtung, als auch im Bereich des Datenmanagements, der Erstellung des Prognosemodells sowie der Planung und Durchführung der Patienten- und Angehörigenbefragung involviert. 

Prognosemodell:

  • Durch die Entwicklung des Prognosemodells wird der Praxis ein Screening-Instrument an die Hand gegeben, welches zur Identifizierung von Risikopatienten genutzt werden kann.

Gesundheitsökonomie:

  • Ziel ist es sowohl die monetären Ersparnisse (oder Ausgabensteigerungen) als auch Gewinne (oder Verluste) an Lebensqualität bei Patienten mit Teilnahme an der Intervention bzw. deren allgemeiner Implementierung abzuschätzen.

Datenmanagement:

  • In seiner Aufgabe als wissenschaftlich unabhängiger Dienstleister zwischen der AOK BW und evaluierenden Institutionen entlastet das aQua-Institut die AOK durch die fristgerechte und qualitätsgesicherte Lieferung eines aufbereiteten und pseudonymisierten Datensatzes.

Patienten- und Angehörigenbefragung:

  • Mittels der Patienten- und Angehörigenbefragung, welche Bestandteil der Prozessevaluation ist, soll die Umsetzung der Interventionen genauer untersucht werden, um ihre Wirksamkeit, Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit besser beurteilen zu können.

Methodik

Design: Es handelt sich um eine Interventionsstudie mit paralleler Kontrollgruppe. Die Auswertung des primären Endpunkts, der Anteil an erfolgreich entwöhnten Patienten, erfolgt durch ein generalisiertes gemischtes logistisches Modell, adjustiert für das Zentrum und patientenspezifische Prognoseparameter. Außerdem werden baumbasierte Methoden und Regularisierung, Cox-Regression sowie deskriptive statistische Methoden angewendet.

  • Auf Patientenebene: Primäres Outcome: Anteil der Patienten, die nach beatmungspflichtiger Intensivbehandlung von mehr als 96 Stunden erfolgreich entwöhnt und die danach länger als 48 Stunden keiner weiteren invasiven maschinellen Beatmung bedürfen.
  • Sekundäre Outcomes aus Patientensicht (bzw. aus Sicht der Angehörigen / Bevollmächtigten): Klinische Outcomes: Keine invasive Beatmungspflichtigkeit bei Entlassung und nach 3 Monaten, Letalität während des stationären Aufenthaltes, Mortalität nach 6 und 12 Monaten, Rehospitalisierung mit invasiver Beatmung innerhalb von 6 Monaten, aus- Patienten bzw. Angehörigensicht: Lebensqualität (EQ5-D), Empowerment (PES), Entscheidungsverhalten (PEF), Erfahrung mit Beratung und Informationen durch Ärzte und Pflegende (z.B. PEACS)
  • Sekundäre Outcomes auf Versorgerebene (Pflegende, Ärzte): Arbeitszufriedenheit (WCW), interprofessionelle Zusammenarbeit, Kompetenzentwicklung, Akzeptanz des pflegerischen und ärztl. Weaning-Konsils und des Weaning-Boards
  • Sekundäre Outcomes auf Systemebene: Nutzung und Bewertung unterstützender Informationsangebote („klassische Medien“, Patientenmedien wie z.B. Apotheken Umschau, Webseiten-Aufrufe); Nutzungsgrad/Reichweite sozialer Medien via facebook, blogger, You Tube und Twitter), Akzeptanz des Prognosemodells, Einschätzung und Akzeptanz des Versorgungsmodells bei Stakeholdern und Multiplikatoren, Kostensenkung durch Vermeidung einer nicht erforderlichen Langzeitbeatmung

Zusätzlich zur Ergebnisevaluation (prim. u. sek. klinische Outcomes) wird eine formative Prozessevaluation mit leitfadengestützten Interviews und per Fragebogen vor Beginn und nach Abschluss der Intervention durchgeführt. Außerdem wird eine Patienten- bzw. Angehörigenbefragung jeweils zu T0 (Rekrutierung) und T1 bis T3 (nach 3, 6 und 12 Monaten) durchgeführt. Die Ergebnisse werden für Benchmarking-Berichte und explorativ für die Evaluation genutzt. Die Reichweite der sozialen Medien wird über Aufrufe bzw. „Likes“ beurteilt.

Ergebnis

Die Evaluation des Projektes belegt eine um 46% höhere Chance auf ein erfolgreiches Weaning unter der Intervention im Vergleich zur Kontrollgruppe. Zudem konnte herausgestellt werden, dass der Einsatz der Intervention keine Mehrkosten verursacht.

Dieses Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01NVF19023 gefördert.