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Therapie des Ulcus cruris venosum in der Hausarztpraxis (ULCUS CRURIS CARE)

Etablierung eines patientenorientierten und evidenzbasierten Versorgungskonzepts

Projektziel

Venös bedingte chronische Wunden sind für Patienten nicht nur belastend, sondern verursachen auch hohe Kosten im Gesundheitssystem. Dennoch existiert kein allgemeiner Standard für die Versorgung. 

Ziel des Projekts ist es, ein evidenzbasiertes und patientenorientiertes Konzept für die hausärztliche Versorgung von Patienten mit einem sogenannten offenen Bein (Ulcus cruris venosum) zu etablieren.  

Methodik

Das neue Versorgungskonzept wurde anhand aktueller wissenschaftlicher Evidenz entwickelt und im Anschluss im Praxisalltag getestet. Hierzu wurden Onlineschulungen, zielgruppenspezifische E-Learning-Kurse, Patienteninformationsschriften und ein experimentelles Softwaremodul konzeptioniert und zur Verfügung gestellt. Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH) nahmen eine zentrale Rolle in der Patientenbetreuung ein, um Patienten und Angehörige gemeinsam mit dem Hausarzt zu unterstützen, selbst eine aktive Rolle in der Behandlung einzunehmen. 

Die Umsetzung im Praxisalltag wurde zunächst durch eine Fall-Kontroll-Pilotstudie evaluiert. Anschließend wurde eine multizentrische randomisierte kontrollierten Studie (RCT) zur Überprüfung des Therapieeffekts durchgeführt.

Darüber hinaus wurde eine Analyse der Krankenkassenroutinedaten durchgeführt, um die aktuelle Versorgungslage der Patienten mit Ulcus Cruris Venosum zu untersuchen.
Aufgaben des aQua-Instituts waren sowohl das Datenmanagement (inklusive der Plausibilitätsprüfung, Validierung, Datenaufbereitung) als auch die Analyse der Routinedaten und die Durchführung von gesundheitsökonomischen Analysen im Rahmen der Primärstudien (Kosten-Nutzen-Bewertung).

Ergebnis

Die Analyse der Krankenkassendaten zeigte, dass etwa 80% der Patienten/Patientinnen mit UCV keine adäquate kausal orientierte Behandlung erhielten. Eine durchgeführte Befragungsstudie bestätigte einen Schulungsbedarf und die Akzeptanz für die geplanten Interventionselemente auf Seiten der Versorger und Patienten. 

Die Ergebnisse der Pilotstudie bestätigten die Praktikabilität der entwickelten Intervention und eine Wirkung auf die Anwendung einer leitliniengerechten Kompressionstherapie. Die Ergebnisse der multizentrischen randomisierten kontrollierten Studie belegen die Wirksamkeit der UCC-Intervention. Die Odds Ratio für die vollständige Wundheilung betrug 3.60 [0.97, 13.36] zugunsten der Interventionsgruppe (p<0.05). Eine leitliniengerechte Kompressionstherapie wurde in der Interventionsgruppe in 72 % der Fälle umgesetzt, gegenüber 33 % in der Kontrollgruppe (p<0.05). Depressivität und fallbezogene ambulante Behandlungskosten (1.457 ± 917 € vs. 3.153 ± 1.843 €; p<0.05) fielen geringer aus. Die begleitenden Prozessevaluationen bestätigten die Akzeptanz für die Interventionselemente auf Seiten von Versorger/Versorgerinnen und Patienten/Patientinnen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Intervention zu einer schnelleren Wundheilung und damit verbunden einer höheren gesundheitsbezogenen Lebensqualität beiträgt.

Dieses Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01VSF19043 gefördert.