AQUA-Institut GmbH - Über AQUA - AQUA-Historie - Die Meilensteine der AQUA-Historie

Die Meilensteine der AQUA-Historie

Meilensteine

1988

Peer Review für Ärzte

Die Entstehungsgeschichte des AQUA-Institutes ist untrennbar mit der Entwicklung des ärztlichen Qualitätszirkelkonzeptes (QZ) verbunden, das auf dem Peer Review-Prinzip basiert: In einer Gruppe gleichberechtigter und gleichrangiger Personen wird die eigene Arbeit diskutiert und bewertet. Systematisch dargestellt wurde dies erstmals 1988 von Richard Grol für den allgemeinärztlichen Bereich in dem nach wie vor als Standardwerk geltenden Buch „Peer Review in General Practice - Methods, Standards, Protocols".

1989

Pionierarbeit im Göttinger Videoseminar

In Deutschland wurden im darauf folgenden Jahr die ersten Gehversuche mit nicht-hierarchischen ärztlichen Peer Review-Gruppen unternommen, ebenfalls zumeist aus dem Umfeld der Allgemeinmedizin (z.B. Modellprojekte in Düsseldorf, Professur für Allgemeinmedizin, Dr. W. Sohn und in Hamburg, Projektgruppe am Psychologischen Institut um Frau Dr. U. Brucks).

In Göttingen riefen der Medizinsoziologe Ottomar Bahrs und der Arzt und Sozialwissenschaftler Joachim Szecsenyi das Videoseminar ins Leben. Diese aus vorwiegend hausärztlichen Teilnehmern bestehende Gruppe diskutierte über viele Jahre selbstkritisch das eigene Routinehandeln in ihren Arztpraxen auf der Grundlage von Original-Video-Mitschnitten ihrer Konsultationen. Das Videoseminar kann als wichtiger Vorreiter der Qualitätszirkel gelten. Angebunden war das Videoseminar an die GeMeKo (Gesellschaft zur Förderung Medizinischer Kommunikation e.V.) unter deren Dach später die AQUA-Arbeitsgemeinschaft Qualitätsförderung in der Ambulanten Versorgung gegründet wurde.

1990

Bezeichnung Qualitätszirkel (QZ) setzt sich durch

Am Rande einer Tagung in Den Haag suchten Ferdinand Gerlach, Joachim Szecsenyi und Thomas Ruprecht (damals Referent der Kassenärztlichen Bundesvereinigung) nach einem passenden Namen für die neu aufkeimenden ärztlichen Peer Review-Gruppen in Deutschland. Treffend erschien ihnen der aus dem industriellen Kontext stammende Begriff des Qualitätszirkels, weil er wichtige Wirkprinzipien umfasste (Bottom up-Prinzip der Qualitätsförderung, nicht-hierarchische Gruppenstruktur, strukturierte, zielgerichtete Arbeitsweise etc).

1992

Gründung der AQUA-Arbeitsgemeinschaft  

Die Wissenschaftler Joachim Szecsenyi, Edith Andres und Kirsten Lampe der Abteilung Allgemeinmedizin Göttingen (Leitung: Prof. M.M. Kochen) sowie Ottmar Bahrs, Ferdinand Gerlach und Martina Weiß von der Abteilung Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (Leitung: Prof. G. Fischer) gründeten die AQUA-Arbeitsgemeinschaft Qualitätsförderung in der Ambulanten Versorgung als gemeinsame Kooperationsbasis für ihre wissenschaftliche Zusammenarbeit.

QZ-Modellprojekte in der ambulanten Versorgung

Auf politischer Ebene erkannte man rasch das enorme Potenzial der Qualitätszirkel für die Qualitätsförderung in der Gesundheitsversorgung. So erhielt die Hannoveraner Arbeitsgruppe 1992 vom Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) den Auftrag, zwei Modellqualitätszirkel zu etablieren, die ihre Gründungstreffen im April 1992 durchführten.

Etwa zeitgleich startete im Göttinger Teil der AQUA-Arbeitsgruppe ein von der KBV (Kassenärztlichen Bundesvereinigung) und ebenfalls vom BMG gefördertes Projekt „Themenalternierende Qualitätszirkel". Maxime dieses QZ-Typs war, dass die Festlegung der Themen dem jeweiligen Teilnehmerkreis oblag. Dieser entschied auch darüber, wie intensiv ein Thema behandelt wurde, wann dieses als abgeschlossen galt und man zum nächsten Thema übergehen konnte. Im Oktober 1992 startete in Kassel der erste themenalternierende Qualitätszirkel. Im Januar 1993  wurde ein weiterer themenalternierender Qualitätszirkel in Heiligenstadt in Thüringen gegründet. Dieser war damit  der erste QZ in einem der damals sog. neuen Bundesländer. Im November/Dezember 1993 starteten drei  weitere themenalternierende Gruppen ihre Arbeit, zwei davon in Göttingen, einer in Kassel.

1993

Erstes Moderatorentraining für ärztliche QZ

Parallel wurde an einem geeigneten Konzept für die Ausbildung von Moderatoren für ärztliche Qualitätszirkel gearbeitet, die als nicht-hierarchische Leiter aus den eigenen Reihen die Gruppen bei ihrer selbstbestimmten, kollegialen aber dennoch zielgerichteten und strukturierten Arbeit unterstützen sollten. Das erste bundesweite Moderatorentraining, in dem in drei Gruppen insgesamt 27 Moderatoren geschult wurden, fand vom 4.-6. Juni 1993 in Göttingen statt. Im gleichen Jahr folgten weitere Schulungen in Bad Segeberg (im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig Holstein) und Verden (Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen).

Mittlerweile wurden von AQUA über 3.000 Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten als Qualitätszirkel-Moderatoren ausgebildet (AQUA-Moderatorenschulungen für Ärzte und Zahnärzte).

1994

Leitfaden „Ärztliche QZ"

Die Erfahrungen aus dieser Pionierphase flossen in die Weiterentwicklung und Modifizierung des QZ-Konzeptes ein und wurden im Leitfaden „Ärztliche Qualitätszirkel" (Herausgeber: Bahrs O, Gerlach FM, Szecsenyi J, erschienen im Deutschen Ärzte-Verlag) zunächst für den niedergelassenen Arzt beschrieben.

Mit der aus dem selben Jahr stammenden "Richtlinie der KBV für Verfahren zur Qualitätssicherung nach § 75 Abs. 7 SGB V (Qualitätssicherungs-Richtlinien)" wurde eine einheitliche Grundlage für die bundesweite Etablierung und Weiterentwicklung von Qualitätszirkeln geschaffen. Diese basiert auf dem im Leitfaden beschriebenen Qualitätszirkelkonzept. Nach KBV-Angaben sind aktuell regelmäßig mehr als 8.000 nach diesem Konzept anerkannte Qualitätszirkel mit Vertragsärzten und -psychotherapeuten aktiv (Stand 7.10.10).

Entwicklung der Patientenbefragung EUROPEP

Von Anfang an lag bei AQUA stets auch ein besonderes Augenmerk auf der Patientenperspektive. Bereits 1994 wurde im Rahmen des internationalen Gemeinschaftsprojektes EUROPEP (EUROPEP-Studie - Fragebogenentwicklung) ein entsprechender Patientenfragebogen für die hausärztliche Versorgung entwickelt, der in seinen vielfältigen Adaptionen und projektspezifischen Modifikationen bei mehr als 90.000 Patienten zum Einsatz kam (Patientenbefragungen (EUROPEP). Neben Weiterentwicklungen für Zahnärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie weitere Fachrichtungen ist das Instrument bereits seit 2003 integraler Bestandteil des von AQUA ebenfalls entwickelten Praxismanagementsystems EPA (Europäisches Praxisassessment, s.u.), also bereits lange bevor dies 2006 verpflichtend in der entsprechenden Qualitätsmanagementrichtlinie festgeschrieben wurde.

 Dokumentationsverfahren für die hausärztliche Praxis

Im Rahmen des zwischen 1994 und 1997 vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Verbundprojektes zum "Qualitätsmanagement in der Arztpraxis" (QMA) übernahm AQUA das Teilprojekt "Entwicklung qualitätsgerechter Dokumentationsverfahren für die hausärztliche Praxis". Der Fokus lag auf der elektronischen Patientenakte. Gemäß dem Bottom up-Prinzip der Qualitätsförderung wurden auch hier die Hausärzte als potenzielle Anwender von Beginn an in die Entwicklung einbezogen, unter anderem über einen Qualitätszirkel, der zu diesem Thema arbeitete.

1995

Datengestützte QZ zur Pharmakotherapie (QZP)

Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der AQUA-Historie war die Etablierung strukturierter, datengestützter Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie (QZP).

Als Ergänzung der bereits seit 1991 von der Arbeitsgruppe um Frau Prof. von Ferber (damals Universität Düsseldorf, später Köln) etablierten datengestützten Pharmakotherapiezirkel in Hessen wurden in Kassel, Bad Sooden-Allendorf und Bad Hersfeld im Auftrag des VdAK (Verband der Angestellten Krankenkassen) und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen drei Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie ins Leben gerufen, um ein modifiziertes Konzept zu erproben.

Früher wie heute ist das Ziel der QZP, die Versorgung mit Arzneimitteln im Sinne einer rationalen Pharmakotherapie zu verbessern. Dazu erhält jeder QZ-Teilnehmer seinen individuellen Verordnungsspiegel© mit den eigenen Daten sowie denen einer Vergleichsgruppe. Von Beginn an wurde der Datenschutz sehr groß geschrieben. Weder Moderator noch die Gruppe, sondern lediglich die betreffende Praxis erhält Einblick in die eigenen Daten. Auch die Diskussion im QZ ist so angelegt, dass ein „Outen" der eigenen Werte nicht erforderlich ist. Zu den ersten Projekten wurden zunächst Ärzte mit überdurchschnittlichem Verordnungsvolumen (sog. „Hochverordner") eingeladen. Als weitere Vorreiter datengestützter  Pharmakotherapie-QZ gelten die ebenfalls bereits seit 1991 vom Berliner IGES-Institut  (Institut für Gesundheits- und Sozialforschung; Leiter: Dr. B. Häussler) konzeptionierten und durchgeführten Qualitätszirkel.

Konzept für zahnärztliche QZ

Gemeinsam mit dem IDZ (Institut der Deutschen Zahnärzte) und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe wurde in fachlicher Kooperation mit der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe ein Modellprojekt mit niedergelassenen Zahnärzten in Westfalen-Lippe durchgeführt. Ähnlich wie drei Jahre zuvor bei den Vertragsärzten wurden zehn zahnärztliche Modellzirkel etabliert und eine Moderatorenschulung konzipiert und durchgeführt. Ähnlich positiv wie bei den Ärzten und Psychotherapeuten verlief auch die Entwicklung bei den Zahnärzten. Schätzungsweise arbeiten derzeit weit über 4.000 Zahnärzte in Qualitätszirkeln an der Verbesserung der von ihnen geleisteten zahnärztlichen Versorgung.

Gründung der AQUA-GmbH und Umzug

Um für die aktuellen und zukünftig geplanten Aktivitäten eine professionelle Plattform zu schaffen und um auf die sich ständig ändernden Bedingungen im Gesundheitswesen zeitnah und adäquat reagieren zu können, wurde am 29.8.1995 das AQUA - Institut für Angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH gegründet und mit dem Umzug in ein Büro in der Hospitalstrasse die Ablösung von der Universität auch räumlich vollzogen. Ein Schritt, der größere inhaltliche Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung und Gestaltung der Projekte schaffte.

Basisdokumentation der QZ-Arbeit

1995/1996 schlossen sich zunächst die Kassenärztlichen Vereinigungen Bremen, Sachsen-Anhalt und Westfalen-Lippe langfristig dem externen Evaluationsmodell der kontinuierlichen AQUA-Basisdokumentation an. 2004 kam die KV Schleswig-Holstein hinzu. Zwischen 1995 und 2007 wurden von den QZ-Moderatoren insgesamt 28.800 Treffen aus 1.640 Qualitätszirkeln dokumentiert. Mit der Basisdokumentation liegt damit das derzeit wohl umfangreichste wissenschaftliche Dokumentationssystem der Qualitätszirkelarbeit im deutschsprachigen Raum vor.

 

1996

Erster QZP mit Kinderärzten

1996 wurde das AQUA-QZP-Konzept in Sachsen-Anhalt mit 100 Teilnehmern umgesetzt (A-QZ Pharmakotherapie in Sachsen-Anhalt). Neben den vorwiegend hausärztlichen Teilnehmern bestand auch erstmals eine Gruppe aus Kinderärzten.

1997

Sektorenübergreifende QZ - erster QZ mit Pflegediensten

Bereits im Jahr 1997 wurden von AQUA erste fach- und sektorenübergreifende QZ im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit und der jeweiligen Ärztekammer durchgeführten Modellprojekts zur Verbesserung der regionalen Versorgung von Patienten mit Tumorschmerzen etabliert:

  • Niedersachsen (SUPPORT)
  • Mecklenburg-Vorpommern (Krebsschmerzinititative Mecklenburg-Vorpommern). Hier wurde erstmals ein QZ mit Mitarbeitern von Pflegediensten ins Leben gerufen.
QZ im Rahmen von Ärztenetzen

Im gleichen Jahr starteten die ersten AQUA-Qualitätszirkel im Rahmen von Ärztenetzen. Erster Kooperationspartner war die Ärztliche Qualitätsgemeinschaft Ried (ÄQ Ried). Gefördert vom Verband der Angestelltenkrankenkassen und der KV Hessen wurde ein Informations- und Qualitätsmanagement-System aufgebaut.

Evaluation für neue Versorgungsmodelle

AQUA übernahm ebenfalls die Begleitevaluation dieser damals noch neuen Versorgungsform der Ärztenetze. Neben  Ärzte- und Patientenbefragung für die Ärztliche Qualitätsgemeinschaft Ried, wurden weitere für die „Medizinische Qualitätsgemeinschaft Modell Herdecke (MQMH)" sowie im Rahmen des Projekts „PRO DEM" (Regionale Versorgung Demenzkranker und ihrer pflegenden Angehörigen) durchgeführt.

1998

Start der Breitenimplementierung der QZP

Die zweite Projektrunde in Sachsen-Anhalt markierte den Start, das QZP-Konzept breitflächig umzusetzen. In Sachsen-Anhalt folgten bisher fünf Projektrunden. Das Multiplikatorenkonzept, das für die Gruppenleitung auf Moderatoren aus dem Teilnehmerkreis setzt, die eigens für diese Aufgabe geschult werden, förderte eine schnelle Breitenimplementierung der datengestützten Qualitätszirkel.

 

2000

Europäisches Praxisassessment (EPA) - Qualitätsmanagement für Arztpraxen

Der Grundstein für die Entwicklung des  Europäischen Praxisassessment (EPA), als ein den gesetzlichen Anforderungen entsprechendes Qualitätsmanagementsystem für Arztpraxen, wurde im Rahmen eines internationalen Projektes gelegt. Für den deutschen Part war und ist bis heute AQUA verantwortlich.

IMPROVE-Stärkung der Rolle älterer Patienten

IMPROVE steht für "Implementation of patient involvement instruments to improve general practice care for older people in Europe".  Ziel dieses internationalen Projekts im Auftrag der Europäischen Gemeinschaft war es, Hilfsmittel ("Instrumente") zu erproben, die ältere Patienten (ab 70 Jahren und älter) dazu ermutigen und befähigen, in der hausärztlichen Konsultation eine aktivere Rolle einzunehmen.

Arzneimittelmonitoring

Für die Medizinische Qualitätsgemeinschaft Modell Herdecke wurde ab 2000 ein Monitoring der Arzneimittelversorgung im Auftrag des Verbandes der Angestellten Krankenkasse (VdAK/AEV) und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe durchgeführt.

Datenanalysen für weitere Routinedaten

Im Rahmen der Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie in Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der AOK Magdeburg, der AOK Halle und der dortigen Kassenärztlichen Vereinigung wurden interessierten Gruppen die  zusätzlichen Themen „Asthma bronchiale/COPD" und „Arzneimitteltherapie im Alter" angeboten. Neben den Arzneimitteldaten wurden erstmals weitere Routinedaten (Heil- und Hilfsmittelverordnungen sowie die Arbeitsunfähigkeitstage) mit dem von AQUA entwickelten System analysiert.

Qualitätsindikatoren im Verordnungsspiegel©

Zeitgleich wurde auch das Konzept der Qualitätsindikatoren in den Verordnungsspiegel integriert. Die  Verordnungsspiegel©  wiesen neben quantitativen Auswertungen erstmals auch qualitative Indikatoren aus. Qualitätsindikatoren haben im Laufe der Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen und sind mittlerweile zentraler Baustein der Verordnungsspiegel.

2001

Qualitätsindikatoren für die ambulante Versorgung

Mit dem Start des Projektes QISA (Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung) im Auftrag des AOK-Bundesverbandes wurde die praxisorientierte sowie wissenschaftlich fundierte Entwicklung und Verbreitung der Qualitätsindikatoren weiter maßgeblich vorangetrieben. Sie stellen die Grundlage dar, vor der sich die Qualität der ambulanten Versorgung in der Einzelpraxis, auf der Ebene eines Arztnetzes oder in anderen Versorgungsmodellen adäquat messen, bewerten und verbessern lässt. Dabei waren die bereits im Rahmen der QZP-Projekte gesammelten Erfahrungen mit Qualitätsindikatoren natürlich sehr hilfreich. Synergien ergaben sich auch zu dem sich zu diesem Zeitpunkt in Entwicklung befindenden EPA-System: Auch hier werden anhand von Qualitätsindikatoren Ziele für die einzelne Praxis zur Verbesserung und Weiterentwicklung ihrer Qualität abgeleitet. 

Die Pilotierung erfolgte in Arztnetzen. Das Indikatorenset wurde seither kontinuierlich weiterentwickelt. Eine zweite Tranche wurde 2009/2010 veröffentlicht.

Leitfaden „Ärztliche QZ" für Praxis und Klinik

Der 1994 erstmals publizierte Leitfaden  „Ärztliche Qualitätszirkel" erscheint in der 4. nochmals überarbeiteten und für die Klinik erweiterten Auflage.

2002

QZP in Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Neue Projekte „Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie" starteten in Schleswig-Holstein und Niedersachsen (A-QZ Pharmakotherapie in Niedersachsen).  In Hessen lief 2002 bereits die fünfte Projektrunde, erstmalig mit über 600 Teilnehmern aus ganz Hessen. 

Umzug in den Maschmühlenweg

Mit den ständig wachsenden Aufgaben wuchs auch der Bedarf an Mitarbeitern. Die bisherigen Büroräume wurden zu klein, so dass 2002 der Umzug in den Maschmühlenweg anstand.

2003

EPA-Visitationskonzept

Ein zentraler Baustein des Europäischen Praxisassessments (EPA) ist die Praxisbegehung. Das Visitationskonzept stellt einen edukativen, keinen kontrollierenden Ansatz dar. Die Visitation erfolgt durch einen unabhängigen, speziell geschulten Visitor (meist Arzt/Ärztin oder Medizinische/r Fachangestellte/r) anhand standardisierter Abläufe (Praxisbegehung anhand einer Checkliste, Arzt-Interview und einer moderierten Teambesprechung.)

Die erste Schulung für Visitoren fand Ende 2003 in Göttingen statt. Ausserdem werden kontinuierlich Supervisionen für die Visitoren angeboten. Derzeit sind etwa 60 Visitoren im Einsatz (Stand: Nov. 2010).

Verordnungsanalysen für Hilfsmittel

Den Teilnehmern der vierten QZP-Projektrunde in Sachsen Anhalt (im Auftrag der dortigen KV und der AOK Sachsen-Anhalt) wurde Ende 2003 ein Zusatzprojekt  zu den Themen Stoma, Inkontinenz und Kompression angeboten, denen Analysen der verordneten Hilfsmittel zugrunde lagen, die analog zum sonst üblichen Vorgehen in den QZ besprochen wurden.

2004

Einführung Benchmarking-Konzept 

Gefördert vom BMG und von der KV Sachsen-Anhalt unterstützt, wurden im Projekt Benchmarking in der Patientenversorgung erstmalig der herkömmliche QZP-Ansatz verglichen mit einem Ansatz, bei dem die QZ-Daten im geschützten Rahmen für alle Mitglieder offengelegt werden. Darüber hinaus enthielten die Verordnungsanalysen als weitere Neuerung einen anzustrebenden Zielwert (Benchmark), der empirisch aus den zehn „Besten"(gruppenübergreifend) gebildet wurde. Neben der Betrachtung der Qualitätsindikatoren, die sich auf den Arzneimitteleinsatz bezogen, wurde das Verordnungsverhalten und die eigene Lebensqualität durch die Patienten bewertet, sowie aus Arztsicht die Zufriedenheit mit der Intervention und den Gruppentreffen erhoben.

Praxiseinsatz von EPA-Visotool©

Zur optimalen Durchführung des Europäischen Praxisassessments wurde die Software Visotool© entwickelt, die die Praxisdaten verwaltet und auswertet und mit der gezielt auf die notwendigen Materialien für das Qualitätsmanagement zugriffen werden kann. Zudem ist ein anonymes Benchmarking mit anderen Praxen möglich und auch grafisch darstellbar. 2004 konnte die erste Visitation mit Visotool© (mit online-Datenübertragung durch SSL-Verschlüsselung) durchgeführt werden.

Start der EPA-Breitenimplementierung

Mit dem praxistauglichen Einsatz von Visotool fiel auch der Startschuss für die  Breitenimplementierung von EPA. Mittlerweile liegen Adaptionen für Zahnärzte, Kinder- und Jugendärzte, sowie weitere Fachdisziplinen vor bzw. befinden sich in Entwicklung (z.B. für Psychotherapeuten, in Kooperation mit der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung). Darüber hinaus gibt es ein eigenes EPA-System für Medizinische Versorgungszentren (MVZ). EPA findet bislang bereits in fast  2.000 Praxen Anwendung und wird durch die Stiftung Praxissiegel zertifiziert: Umsetzung des Europäischen Praxisassessments (EPA).

2005

Feedbackberichte zu DMP für QZ in Ärztenetz

Auf Basis der Daten für die Versicherten der AOK Hessen, die in das Disease-Management-Programm (DMP) zum Typ-2-Diabetes (§ 137f SGB V) eingeschrieben sind, wurden arztnetzbezogene DMP-Feedbackberichte erstellt, die im Rahmen eines Qualitätszirkels im Ärztenetz „Qualitätsgemeinschaft Ried" diskutiert wurden. Ziel war es, die Qualität der Diabetikerversorgung dieser Region darzulegen und ggf. zu verbessern. Die beteiligten Ärzte konnten sich sowohl mit allen Ärzten landesweit als auch direkt mit ihren Kollegen im Netz vergleichen: Qualitätsdarlegung der Diabetiker-Versorgung.

Datenmanagement und Befragungen im Rahmen der ELSID-Studie

Die repräsentative ELSID-Studie (Evaluation of a large scale implementation of disease management programs) untersucht, ob Teilnehmer der Disease-Management-Programme (DMP) medizinisch besser versorgt werden, als Patienten, die nicht daran teilnehmen (Link: DMP-Studie ELSID -> http://www.aok-gesundheitspartner.de/bund/dmp/evaluation/elsid/index.html ).

Auftraggeber waren der AOK Bundesverband, die AOK Rheinland-Pfalz und die AOK Sachsen-Anhalt. AQUA oblag das Datenmanagement  der Arzneimitteldaten, Leistungsdaten, Krankenhauseinweisungsdaten, Abrechnungsdiagnosen, EBM-Ziffern, DMP-Daten für über 20.000 Patienten sowie die Durchführung und Auswertung einer groß angelegten Befragung von insgesamt etwa 3.800 Patienten.

2006

QZP im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung

Die QZP (und die entsprechenden Feedbackberichte) sind so konzipiert, dass sie sich hervorragend zur Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen in anderen Versorgungsmodellen eignen, wie beispielsweise Disease-Management-Programme oder der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV nach § 73b SGB V). In Hessen wurde ein entsprechender Vertrag zwischen KV Hessen und der AOK Hessen, dem Betriebskrankenkassen-Landesverband Hessen (BKK), der Innungskrankenkasse (IKK) Baden-Württemberg und Hessen sowie dem Landesverband Hessen des VdAK / AEV (Verband der Angestellten-Krankenkassen / Arbeiter-Ersatzkassen-Verband) geschlossen. So konnten hier erstmals auch kassenübergreifend die Verordnungsdaten rückgemeldet werden.

Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung

Ab 2006 wurden von AQUA fünf Modelle zur Hausarztzentrierten Versorgung auf Basis von § 73 b SGB V im Auftrag des VdAK (DAK, HEK, HMK, KKH, TK) und unter Einbindung der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein und Westfalen-Lippe) anhand von zehn primären Erfolgsparametern evaluiert.

2009

QZP im Rahmen der HZV in Baden-Württemberg

Ein weiteres großes HZV-Projekt startete 2009 im Auftrag der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft eG, dem MEDIVERBUND MEDI e.V., dem Hausärzteverband Baden-Württemberg und der AOK in Baden-Württemberg. An den von AQUA betreuten Qualitätszirkeln zur Pharmakotherapie beteiligten sich im Oktober 2010 über 3.200 Hausärzte.

QZP in Hessen: 7. Projektrunde

Obwohl der Vertrag im Rahmen der HZV in Hessen nicht verlängert wurde, wurde das QZP-Projekt, nicht zuletzt aufgrund der großen Nachfrage aus dem Teilnehmerkreis, in Hessen zum siebten Mal aufgelegt (A-QZ Pharmakotherapie in Hessen).  Derzeit (Stand 10/2010) nehmen daran fast 1.800 Hausärzte und hausärztlich tätige Internisten teil - obwohl ursprünglich nur 1.000 Teilnehmer/innen vorgesehen waren.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung für den G-BA

Seit Ende 2009 setzt das AQUA-Institut im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) den Aufbau einer bundesweiten und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung im Gesundheitswesen gem. § 137a SGB V um. Mit diesem Projekt hat AQUA seinen Wirkungsradius nunmehr auf breiter Basis über den ambulanten Bereich hinaus ausgedehnt.

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung (§ 137a SGB V)

2010

Über 10.000 Teilnehmer an QZP

Insgesamt haben mittlerweile (Stand 10/2010) weit über 10.000 Ärztinnen und Ärzte an den bisher 16 Projektrunden an AQUA-Qualitätszirkeln zur Pharmakotherapie teilgenommen.

Die rasante Verbreitung der AQUA-QZP zeigt die nachfolgende Grafik.

Entwicklung AQUA-QZP

2013

Fazit zum aktuellen Stand der Dinge…

Mit diesem jüngsten großen Meilenstein der AQUA-Firmengeschichte waren weitere Expansionen sowohl auf Ebene der Mitarbeiter als auch der Räumlichkeiten erforderlich.

Das AQUA-Institut beschäftigt aktuell rund 90 festangestellte Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Berufsgruppen: Ärzte, Apotheker, Gesundheitswissenschaftler, Ökonomen, Dokumentare, Informatiker, Biometriker usw. und erstreckt sich aktuell auf über 1.400 m2 Bürofläche. (Womit sich AQUA seit den Anfängen sowohl personell als auch räumlich mehr als verzehnfacht hat…)

Im „AQUA-Mikrokosmos" leben wir seit unseren Anfängen eine interkollegiale Zusammenarbeit, die es - mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen - versteht, Fachgruppengrenzen zu überwinden und im wertschätzenden gegenseitigen Austausch die bestmögliche Lösung für immer komplexer werdende Probleme zu finden. Erfahrungen, die uns insbesondere bei den aktuellen Herausforderungen und Chancen der sektorenübergeifenden Arbeit von unschätzbarem Nutzen sind.

Trotz der enormen Weiterentwicklung (sowohl inhaltlich als auch räumlich) fühlen wir uns nach wie vor unseren Wurzeln (dem Peer-review-Gedanken, dem Bottom-up-Prinzip als nicht-hierarchischem Ansatz der Qualitätsförderung sowie der Evidenzbasierten Medizin) verbunden. Über all die Jahre sind wir zudem unserer neutralen, interessenunabhängigen Grundhaltung treugeblieben. Gerade diese Kontinuität und Konstanz relevanter Werte hat sicherlich wesentlichen Anteil an unserem Erfolg. Vor allem, weil wir mit unserer Firmenphilosophie Mitarbeiter mit exzellenter Fachkompetenz und hohem Engagement und persönlicher Einsatzbereitschaft begeistern konnten. Und das wird auch zukünftig so bleiben, dafür setzen wir uns ein…